36 Jahre für die Kammer

Sie arbeitete für fünf Präsidenten und vier Hauptgeschäftsführer – Kammerjuristin Ortrud Lehmann geht in den Ruhestand.

Es war das Jahr 1984. Richard von Weizäcker wird Bundespräsident, das Privatfernsehen startet und Ortrud Lehmann, eine 29-jährige Juristin, betritt die Handwerkskammer, um ihren ersten Job anzutreten. Es blieb ihr einziger. 36 Berufsjahre später heißt es jetzt: Abschied nehmen.

 

„Ich habe meine Arbeit immer gerne gemacht, dabei war es anfangs längst nicht selbstverständlich, dass eine Frau mit Führungsaufgaben in der Handwerkskammer beauftragt wurde“, erzählt Lehmann. Damals wurde sie mit Beratungs- und Schlichtungsaufgaben für die Mitgliedsbetriebe betraut, beriet verschiedene Gremien und führte Sitzungsprotokolle. „Inzwischen hat sich eigentlich alles geändert“, so Lehmann schmunzelnd. Umweltrecht, Verbraucherschutz oder das Sachverständigenwesen steckten noch in den Kinderschuhen. „Mit den Jahren nahm die Gesetzesflut nicht nur in diesen Bereichen zu, sondern die gesamte Bürokratisierung wuchs auf ein Ausmaß an, das uns heute zum Teil die Arbeit erschwert, auch die unserer Mitgliedsbetriebe“, bilanziert die Ruheständlerin. Auch die Handwerksorganisationen durchlebten in dieser Zeit turbulente Phasen. Lehmann gestaltete interne Organisationsstrukturen und erlebte den Aufbau und die Entwicklung der Bildungszentren in Osnabrück, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim sowie viele juristischen Auseinandersetzungen auf allen Ebenen. Eine wichtige Erfahrung machte Lehmann 2004: „Die Begleitung der Novellierung der Handwerksordnung mit dem radikalen Wegfall der Meisterpflicht in vielen Berufen war für mich ein einschneidender Prozess, denn die Kolleginnen und Kollegen mussten sich in der täglichen Praxis mit dem Unmut vieler Handwerker* innen über die neuen meisterfreien Berufe auseinandersetzen. Sie ergänzt: „Dass die Politik diese Entwicklung im handwerklichen Mittelstand nicht richtig eingeschätzt hat, zeigt sich an der aktuellen Rückvermeisterung vieler Berufe.“

 

Ihre Bilanz: „Die Handwerkskammer Osnabrück- Emsland-Grafschaft Bentheim hat durchweg ihren Einfluss in den landes- und bundesweit agierenden Gremien sowie in der Politik enorm gesteigert, was insbesondere unseren Mitgliedsbetrieben zu Gute kommt, deren Zahl von damals rund 8.000 auf heute fast 11.000 gestiegen ist.“

 

Und jetzt? „Mein Pferd, mein kirchliches Ehrenamt und meine Musik beschäftigen mich sehr. Außerdem möchte ich noch meine Fremdsprachenkenntnisse auffrischen. Standardwerke über juristische Feinheiten des Handwerksrechts werde ich jedenfalls nicht mehr benötigen.“

 


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