
Im zweiten Teil der Online-Beratungsreihe des Projekts Energie Booster stand am 4. November die Frage im Mittelpunkt, wie elektrische Flächenheizsysteme künftig zu einer effizienten, flexiblen und nachhaltigen Wärmeversorgung in Gebäuden beitragen können. Als Fachreferent führte Nils Kohlmeyer von der mfh systems GmbH die Teilnehmenden in die Möglichkeiten moderner Carbon-Heizfolien ein.
Ein System mit vielen Einsatzoptionen
Kohlmeyer stellte zunächst das in Belm ansässige Unternehmen mfh systems vor, das seit über zehn Jahren elektrische und wassergeführte Flächenheizsysteme entwickelt. Den Schwerpunkt seines Vortrags bildete jedoch das System E-NERGY CARBON, eine nur 0,4 Millimeter dünne Heizfolie, die an Boden, Wand oder Decke installiert werden kann. Durch ihre geringe Aufbauhöhe eignet sich die Technik besonders gut für Bestandsgebäude, da selbst im bewohnten Zustand nachgerüstet werden kann.
Die Funktionsweise setzt auf Strahlungswärme statt auf klassische Konvektion. Dadurch entsteht ein gleichmäßiges Raumklima, ohne dass Luft verwirbelt wird. Besonders die schnelle Reaktionsfähigkeit beeindruckte viele Teilnehmende: Wird das System aktiviert, ist die Wärme bereits nach wenigen Minuten spürbar. Die Folien lassen sich zudem punktgenau steuern, sodass nur dann Heizenergie verbraucht wird, wenn sie tatsächlich benötigt wird.
Praktische Einblicke: vom Badezimmerboden bis zur Decke
Anschaulich erläuterte Kohlmeyer, wie die Folien in unterschiedlichen Bauteilen verbaut werden. Im Fußboden können sie entweder direkt in den Fliesenkleber eingebettet oder unter schwimmenden Bodenbelägen verlegt werden. An Wand und Decke genügt bereits ein geringerer Belegungsgrad, da die Strahlungswärme von oben kegelförmig in den Raum abstrahlt. Ein weiterer Vorteil: Aussparungen für Spots, Steckdosen oder Dübellöcher lassen sich problemlos integrieren, solange die Leiterbahnen der Folien nicht beschädigt werden.
Im Verlauf der Veranstaltung wurde deutlich, wie flexibel das System einsetzbar ist. Ob als Vollheizung in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage, als zusätzliche Wärmequelle im Bad oder zur Temperierung feuchtegefährdeter Außenwände – die Heizfolien ermöglichen ein breites Spektrum an Anwendungen. Dass sie mit Niedervoltspannung betrieben werden, erleichtert zudem den Einsatz in Nassbereichen.
Wirtschaftlichkeit und Erfahrungen aus der Praxis
Besonderes Interesse galt den Fragen nach Anschaffungs- und Betriebskosten. Kohlmeyer erläuterte ein Beispiel aus einem 1960er-Jahre-Zweifamilienhaus, in dem das System als Deckenheizung eingesetzt wurde. Trotz unveränderter Gebäudehülle – ohne zusätzliche Dämmung oder Fenstertausch – konnte der jährliche Energiebedarf um rund 30 Prozent gesenkt werden. Im Zusammenspiel mit einer Photovoltaikanlage reduzierten sich die Heizkosten des Hauses deutlich.
Für Neubau- oder Niedrigenergiegebäude veranschlagte Kohlmeyer Investitionskosten von etwa 13.000 Euro für ein 150 m² Objekt. Entscheidender als der Preis sei jedoch die bedarfsgerechte Nutzung: Durch die schnelle Aufheizung müssen Räume nicht dauerhaft temperiert werden, was insbesondere bei unregelmäßig genutzten Bereichen – etwa Badezimmern oder Hobbyräumen – zu einem sehr sparsamen Betrieb führt.
Bedeutung der richtigen Planung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der fachgerechten Installation. Neben der Vorbereitung des Untergrunds spielen thermische Entkopplungen eine große Rolle, insbesondere bei ungedämmten Decken oder Außenwänden. Bereits wenige Millimeter Dämmmaterial können die Wärmeverluste erheblich reduzieren und die Effizienz des Systems steigern. Kohlmeyer zeigte anhand von Messdaten aus dem Technikum, wie deutlich sich die Temperaturverteilung mit und ohne Entkopplung unterscheidet.
Auch auf häufige Praxisfragen ging der Referent ein: Die Kombination mit Lehmputz ist möglich, Bewegungsmelder lassen sich integrieren, und selbst Bohrungen in die fertige Fläche sind unter Beachtung elektrischer Leitbahnen unproblematisch. Zum Abschluss bedankte sich Kohlmeyer bei den Teilnehmenden für das rege Interesse und die zahlreichen Fragen.
Link zur mfh-systems GmbH: www.mfh-systems.com
Fortsetzung der Reihe im Dezember
Die nächste Veranstaltung der Reihe Energie Booster findet am 2. Dezember statt. Dann steht das Thema „Wärmepumpen – typische Installationsfehler und wie man sie vermeidet“ im Mittelpunkt.
Ein Referent der Firmen Bosch Thermotechnik GmbH – Buderus Deutschland wird dort praxisnahe Einblicke aus dem Heizungsbau geben.
Weitere Infos und Anmeldungslink zu folgenden Veranstaltungen: Online-Beratungsseminare aus dem Projekt Energie Booster
Förderhinweis/Fördermittelgeber:
Das Projekt Energie Booster wird im Rahmen des Interreg-Programms Deutschland-Nederland von der Europäischen Union und den Interreg-Partnern finanziell unterstützt.

Die Entwicklung der Angebote in diesem Projekt wird durch die Förderung durch das Interreg Via-Programm Deutschland Nederland möglich gemacht. Für das Programm werden EU-Mittel ergänzt durch regionale Mittel eingesetzt – in unserem Fall aus NRW, Niedersachsen und der Provinz Overijssel.