Seminar im Februar Gebäudedämmung neu gedacht: Energiefassade als Schlüssel zur Sanierung

Welche Rolle spielt die Fassade in der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden? In der aktuellen Veranstaltung der Beratungsreihe Energie Booster zeigte Dr. Roland Falk, wie moderne Fassaden weit mehr leisten können als Wärmeschutz – von Installationsebenen über Lüftungslösungen bis hin zu integrierter Photovoltaik.

Im Februar setzte das BTZ Osnabrück seine Beratungsserie im Projekt Energie Booster fort. Thema des Abends war die Wärmedämmung bestehender Gebäude und die Möglichkeiten, die Fassade für die Versorgung mit Wärme, Luft und Strom zu nutzen. Den Vortrag hielt Dr. Roland Falk, Leiter Innovation und Entwicklung am Branchenzentrum Ausbau und Fassade sowie Vorsitzender des KomZet-Netzwerks Bau und Energie.

Dr. Falk machte deutlich, dass die Fassade künftig eine zentrale Rolle in der Energiewende spielen wird. Neben klassischen Funktionen wie Wärme-, Feuchte-, Schall- und Brandschutz rücken neue Anforderungen in den Vordergrund: Die Gebäudehülle wird zunehmend zur Schnittstelle zwischen Dämmung, Haustechnik und Energiegewinnung. Gerade im Bestand treffen Sanierungsdruck und wachsende technische Anforderungen aufeinander – Lösungen müssen daher ganzheitlich gedacht werden.

Ein Schwerpunkt lag auf der Nutzung der Fassade als Installationsebene für die Gebäudetechnik. Dr. Falk zeigte praxisnah, wie sich Kabel, Rohrleitungen oder Lüftungskanäle in Dämmkonstruktionen integrieren lassen. Damit können technische Systeme – etwa Heizung- oder Lüftungsleitungen – unauffällig und wartungsfreundlich in die Gebäudehülle eingebunden werden. Besonders bei nachträglichen Sanierungen eröffnen solche Lösungen neue Möglichkeiten, ohne die Innenräume stark zu beeinträchtigen.

Lüftung in der Fassade

Das Thema Lüftung in der Fassade wurde intensiv behandelt. Falk stellte Konzepte vor, bei denen dezentrale Lüftungsgeräte über die Fensterlaibung Frischluft ansaugen. Dadurch bleibt die Außenansicht der Fassade ruhig und einheitlich, gleichzeitig können Schallschutz und Wartbarkeit verbessert werden. Wichtig sei jedoch, Lüftung frühzeitig in die Sanierungsplanung einzubeziehen – nicht erst nach dem Fenstertausch oder der Dämmmaßnahme.

Ein weiteres innovatives Feld ist die außenliegende Wandheizung, die vor dem Aufbringen der Dämmung montiert wird. Diese Lösung kann besonders bei Wärmepumpen durch niedrige Vorlauftemperaturen effizient sein und eignet sich vor allem für Gebäude mit großen Wandflächen und schlechter Bestandsdämmung. Ergänzend wurden Möglichkeiten vorgestellt, Heiz- und Kühlsysteme stärker über die Gebäudehülle zu führen und so Sanierungsprozesse zu beschleunigen.

Abschließend ging Dr. Falk auf die wachsende Bedeutung von Fassaden-Photovoltaik ein. Gerade im Winter könne die vertikale Ausrichtung der Module Vorteile bringen, da die Sonne tiefer steht. In Kombination mit vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF) entstehen zudem rückbaubare und wartungsfreundliche Systeme, die besonders für größere Sanierungsprojekte attraktiv sind. In der Diskussion wurde deutlich: Erfolgreiche Energiefassaden erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Gewerken wie Stuckateurbetrieben, Elektroinstallateuren und SHK-Fachfirmen.

Zum Abschluss verwies Dr. Falk auf die kostenlose Ausbilderplattform Leando und die Community „Energetische Gebäudesanierung“, in der praxisnahe Lernpfade und Austauschmöglichkeiten für Betriebe angeboten werden. Die Veranstaltung endete mit einem Ausblick auf den nächsten Termin der Reihe am 3. März 2026, der sich dem Thema KI für Handwerkswebsites widmen wird.

Hier finden Sie die Vortragsfolien.

Weitere Infos und Anmeldungslink zu folgenden Veranstaltungen: Online-Beratungsseminare aus dem Projekt Energie Booster

Förderhinweis/Fördermittelgeber:

Das Projekt Energie Booster wird im Rahmen des Interreg-Programms Deutschland-Nederland von der Europäischen Union und den Interreg-Partnern finanziell unterstützt.

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